Die Stadttaube

Kaum ein Lebewesen polarisiert so stark wie die Taube.

Stadttauben sind keine Wildtieresondern verwahrloste Haustiere (ehemalige Haus- und Brieftauben und ihre Nachkommen).

Sie stammen von der Felsentaube (Columbia livia) ab. Vor etwa 5.000 Jahren fingen wir Menschen an, uns die Taube zu Nutze zu machen. Wir nahmen ihre Federn, ihr Fleisch, ihren Dung, ihre Eier und nutzten ihren exzellenten Orientierungssinn. Wir züchteten ihnen das ganzjährige Brutverhalten (bis zu 7-mal im Jahr!) und die extreme Standorttreue an und machten sie so von uns abhängig.

Als wir die Taube als Haustier nicht mehr brauchten, überließen wir sie einfach sich selbst. Die „Stadttaube“ war geboren.

Die Städte bieten mit ihren vielen Mauervorsprüngen und Simsen ideale Nistmöglichkeiten, denn als Nischenbrüter können Haustauben nicht aufs Land ausweichen, da sie niemals in Bäumen nisten (im Gegensatz zu Wildtauben, wie Ringel-, Türken- oder Hohltauben). Als reine Körnerfresser finden Tauben in Städten allerdings keinerlei artgerechtes Futter.

Mit Fütterungsverboten, wie sie in den meisten deutschen Städten Gang und Gäbe sind, möchte man sie am liebsten ganz von der Bildfläche verschwinden lassen. Aus der Not heraus fressen sie den Müll von der Straße. Pommes, Gyros, Brotkrümel und Erbrochenes gehören nun zu ihrem Speiseplan. Sauberes Wasser gibt es kaum und erst recht keine medizinische Versorgung. Verletzte und kranke Tauben gehören zum alltäglichen Stadtbild. Sie sind die Straßenhunde Deutschlands.

Auch heute noch stoßen Jahr für Jahr, bedingt durch den „Brieftaubensport“ oder sogenannte Hochzeitstauben, weitere Tiere hinzu.

Tauben sind monogam und bleiben oft ein Leben lang bei ihrem Partner. Sie brüten abwechselnd und füttern beide ihre Küken. Wird ein Tier von Partner und Nachwuchs getrennt, versucht es um jeden Preis nach Hause zu kommen. Darauf baut der Brieftaubensport auf.

Die Auflassorte liegen bei Brieftaubenwettbewerben oft hunderte oder gar tausende Kilometer vom Heimatschlag entfernt. Oft sterben die Tiere vor Erschöpfung, kommen in Unwettern um, verdursten bei großer Hitze oder werden von Greifvögeln attackiert. Viele stranden aber auch in unseren Städten, um ein jämmerliches Dasein zu fristen.

Genetisch bedingt brütet die Stadttaube unabhängig vom Nahrungsangebot. Nachweislich brüten auch hungernde Tiere, die nicht in der Lage sind, ihre Nestlinge zu versorgen. Ein Fütterungsverbot hat also keine Populationseindämmung durch geringere Vermehrung zur Folge, sondern führt zur Verelendung und zum Verhungern der Jungtiere.

Die ständige Fehl-und Mangelernährung verursacht bei den Tieren Durchfall, den sogenannten Hungerkot.

Kein schöner Anblick, dennoch zerstört Taubenkot nicht - wie fälschlicherweise oft behauptet - Bausubstanzen. Dies bestätigt ein Gutachten der Technischen Universität Darmstadt aus dem Jahr 2004. Der Kot artgerecht gefütterter Tauben ist rund geformt, fast trocken und sehr gut zu entfernen. 

 

Auch ist die Taube kein gefährlicher Krankheitsüberträger. Sie sind auch keine Überträger des Vogelgrippevirus

Das allgemeine Infektionsrisiko ist nicht höher als bei anderen Haustieren auch (Quellen: Bundesgesundheitsamt, Bundesamt für Risikobewertung bzw. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Robert-Koch-Institut oder auch Spiegel-Artikel). Selbst von regelmäßig gewässerter Blumenerde einer Zimmerpflanze geht ein höheres Infektionsrisiko aus.

Versuche, dem „Stadttaubenproblem“ durch Tötungsmaßnahmen entgegen zu wirken, stellen nicht nur einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar, sondern führen lediglich zu einer Verjüngung des Bestandes. Populationsverluste werden mit der Gegenwirkung höherer Fruchtbarkeit und Vermehrung so beantwortet, dass der Ausgangszustand bald wieder hergestellt ist.

Eine weitere sehr kostenintensive und demnach für Schädlingsbekämpfungsfirmen lukrative Möglichkeit Tauben zu vertreiben, sind „Vergrämungsmaßnahmen“ wie z.B. Spikes und Netze, die – sind sie nicht fachgerecht angebracht oder gewartet – Tiere schwer verletzen oder sogar töten können. Außerdem verlagern sie das Problem nur auf andere Gebäude.

Die Lösung für Tier und Mensch ist so einfach wie genial und heißt „Augsburger Modell“.
Hinter diesem Konzept zur tierschutzkonformen Bestandskontrolle der Stadttauben verbergen sich betreute Taubenschläge, in denen die Tiere artgerechtes Futter und sauberes Wasser erhalten und, wenn nötig, medizinisch versorgt werden. Zur Eindämmung der Population tauscht man die gelegten Eier gegen Attrappen aus Kunststoff oder Gips aus. Dies führt langfristig zu einer geringeren Vermehrung, zu einem gesunden Taubenbestand und zu mehr Stadtsauberkeit, da sich die Tiere überwiegend (ca. 80% des Tages) am/im Schlag aufhalten und auch dort ihren Kot absetzen.

Außerdem erhöht sich die Akzeptanz der Bevölkerung, da die Tauben nicht mehr in der Umgebung nach Essbarem suchen müssen.

In über 60 deutschen Städten kommt dieses Konzept bereits erfolgreich zum Einsatz. Es wurden sogar Landestierschutzpreise hierfür verliehen (auch an uns!). Wenn Sie interessiert sind oder helfen möchten, sprechen Sie uns an.

Bitte schauen Sie nicht weg. Helfen Sie, das Verhältnis zu Stadttauben zu verbessern und informieren Sie Menschen in Ihrer Umgebung über diese wundervollen, intelligenten und friedlichen Tiere und das tierschutzgerechte Geburtenkontrollkonzept.